Was ist Yoga?

Yoga ist eine ganzheitliche Übungspraxis, die ihren Ursprung in Indien hat. Ganzheitlich heißt, dass der Körper, die Atmung, die Psyche und der Geist miteinbezogen werden. Die Yogatexte legen außerdem Wert auf eine gesunde Lebensweise und auf eine respektvolle Grundhaltung gegenüber anderen Lebewesen.

In den meisten Yogakursen, und so ist es auch in unserem Studio, wird mit einfachen Körperübungen begonnen. Die Grundbeweglichkeit wird dadurch verbessert, und ein besseres Körpergefühl stellt sich ein. Durch die bewusste Verbindung der Bewegung mit dem Atemfluss wird schnell spürbar, dass die Harmonisierung über den Körper hinausgeht. Mit der Atmung beruhigt sich das Nervensystem, beruhigt sich der Geist. Wie jeder selbst spüren kann, wird in Stress- oder Angstsituationen die Atmung unregelmäßig und kurz. Umgekehrt können wir durch eine Beruhigung der Atmung auch innerlich ausgeglichener werden.

Die Kunst der Verbindung von Atmung, Bewegung, Psyche und Geist im Yoga kann mit unterschiedlichen Techniken sehr anspruchsvoll verfeinert werden und uns über Jahre in der persönlichen Entwicklung begleiten. Die Bestandteile der Übung sind dabei Asana (Körperhaltung), Pranayama (Atemübung), Mudra (die Verbindung von beiden), Japa (das Singen oder Rezitieren von Tönen oder Mantras), Bhavana (das Fokusieren auf ein Symbol oder ein Thema), Dhyana (die Meditation).

Im Prana, das Yoga-Studio, steht die Übung von Asana und Pranayama im Vordergrund, die anderen Elemente fließen, je nach Fokus der Kursstufe bzw. der Lehrerin oder des Lehrers, unterschiedlich stark in den Unterricht ein.

Das Ziel der Yogaübung kann unterschiedlich gewählt werden und hängt von den Bedürfnissen des Übenden ab. Es kann der Ausgleich zum Alltag oder die Kräftigung des Körpers im Vordergrund stehen, es kann um die Erhaltung der Gesundheit oder mehr therapeutisch um die Beseitigung eines Problems gehen. Wir können uns innere Ruhe, Gelassenheit oder mehr Geduld mit unseren Mitmenschen zum Ziel setzen.

Der tradtionell höchste Sinn des Yogawegs ist die Selbsterkenntnis des Menschen als freies Wesen. Diese Erkenntnis wird auch Befreiung oder Erleuchtung (Moksha) genannt.

Die Geschichte des Yoga

Die erste Erwähnung yogischer Übungstechniken findet sich in den Upanishaden (etwa 1800 v. Chr.) Man kann aber davon ausgehen, dass es eine noch ältere mündlich überlieferte Tradition gibt. Die erste systematische Darstellung des Yoga als philosophisches System und als Übungspraxis stammt aus der Zeit circa 400 n. Chr. Es sind die Yogasutras des Patanjali. Dieser Text gilt noch immer als Standardtext des Yoga. Alle Yogaschulen berufen sich darauf. Die bei uns so populären Asanas (Körperübungen) treten erst eine Weile später im Hatha-Yoga (13. Jahrhundert nach Chr.) in den Mittelpunkt der Praxis. Als Begründer des Hatha-Yoga gilt Goraksanatha, seine Hatha-Yoga-Schrift ging verloren, aber ein anderer berühmt gewordener Text soll Teile davon enthalten: die Hatha-Yoga Pradipika  aus dem 15. Jahrhundert n. Chr.

Der moderne Yoga, wie wir ihn heute kennen, geht auf einige wenige indische Lehrer des 20. Jahrhunderts zurück. Nachdem der Yoga durch die lange Zeit der englischen Kolonialherrschaft an Bedeutung verloren hatte, erstarkte schon vor und dann mit der Unabhängigkeit Indiens auch das Bewusstsein für die eigene Kultur. Auch der Yoga erlebte eine Renaissance. Große Lehrer wie Svami Vivekananda, Yogananda, Svami Sivananda Sarasvati und T. Krishnamacharya gaben dem Yoga ein neues Gesicht. Unter ihnen waren die ersten, die auch Frauen unterrichteten. Sie waren bereit, komplizierte Übungen für moderne Menschen anzupassen, und öffneten so den Weg für den Yoga, wie wir ihn heute kennen: ein Weg für die Massen. Ihre Schüler bereisten den Westen und verhalfen dem Yoga zum Durchbruch auf der ganzen Welt.

Die grundlegenden Yogatexte binden sich an keine bestimmte religiöse Tradition. Patanjali lässt etwa in seinem Yogasutra dem Übenden die Wahl, den religiösen Weg zur Verinnerlichung zu wählen oder einen anderen, nicht religiösen. Manche große Lehrer mögen Hindus gewesen sein, andere Jains oder Buddhisten, der Yoga selbst ist aber keine religiöse Praxis.